"Tiroler Tageszeitung" - Eifersucht ist der Tod jeder Beziehung

Die gebürtige Hallerin Barbara Balldini (Jahrgang 1964) ist Diplom-Sexualberaterin und -pädagogin. In Vorarlberg führt sie das erste Sexualberatungsinstitut. Dort bietet sie Beratung zu Ehe- und Familienfragen, Libidoverlust, Orgasmus-Störungen, frühzeitiger Ejakulation, Potenzproblemen, Trennungsproblematik, Seitensprung, Homosexualität und vielen anderen Themen an.

Ist Eifersucht ein Liebesbeweis?
Balldini: Nein. Eher im Gegenteil. Eifersucht ist sehr zerstörerisch und endet sogar häufig mit dem Tod. Immerhin passieren zwei Drittel aller Morde aus Eifersucht.

Was sind die Ursachen für Eifersucht?
Balldini: Eifersucht hat nichts mit dem Partner zu tun. Sondern es ist eine Verlustangst, die in jedem steckt. Die Angst, verlassen zu werden oder nicht gut genug zu sein. Bei jedem ist das unterschiedlich stark ausgeprägt und bei manchen eben krankhaft.

Wo liegt die Grenze zwischen gesunder und krankhafter Eifersucht? 
Balldini: Wenn das Misstrauen überhandnimmt und sich der Partner permanent kontrolliert oder sogar bedroht fühlt, ist das gesunde Maß sicherlich überschritten.

Wie geht man am besten mit einem eifersüchtigen Partner um?
Balldini: Man sollte den Forderungen des Partners auf keinen Fall nachgeben. Zuhause zu bleiben, weil er sonst eifersüchtig wäre, ist der falsche Weg. Deshalb ist er nicht weniger eifersüchtig! Viel wirksamer ist es, den Partner offen darauf anzusprechen und ihm klarzumachen, dass er ein Problem mit sich selbst und nur mit sich selbst hat. Und dass er einmal hinterfragen sollte, warum er überhaupt diese Verlustängste hat. Gegen krankhafte Eifersucht kann man etwas tun!

Und was?Balldini: Man sollte professionelle Hilfe annehmen. Eifersucht ist ein Verhalten, das man, wenn man will, ändern oder sogar ablegen kann.

Wie geht man am besten mit der eigenen Eifersucht um?Balldini: Schnüffeln bringt gar nichts. Da rammt man sich nur selber das Messer ins Herz. Am schlimmsten ist es, SMS oder E-Mails zu lesen. Ein absolutes Tabu. Das ist ein Eingriff in die Intimsphäre des Partners und auf die hat er auch in der Beziehung ein Anrecht. Kleine Geheimnisse braucht jeder. Wenn man einen Verdacht hat oder sich zurückgewiesen fühlt, sollte man das ansprechen.

Und bei Lippenstift am Hemdkragen?
Balldini: Die erste Reaktion ist sowieso immer, alles abzustreiten.

Warum?
Balldini: Das liegt in der Natur der Dinge. Aus Angst vor der Konfrontation und den Konsequenzen, wie verlassen zu werden, Liebes- oder Sexentzug, Türen knallen oder dem großen Schweigen. Ist ein Seitensprung oder eine Affäre der Tod der Beziehung? Balldini: Nicht unbedingt. Ein Seitensprung kann auch in einer völlig intakten Beziehung passieren und sagt über die Liebe der beiden Partner überhaupt nichts aus.

Welche Rolle spielt dann Treue?
Balldini: Für manche ist sie enorm wichtig, für andere nicht. Es gibt bei Männern wie Frauen monogamere Typen und notorische Fremdgänger. Da stehen die Frauen den Männern um gar nichts nach. Sollte man einen Seitensprung beichten? Balldini: Auf keinen Fall. Damit macht man mehr kaputt, als es bringt. Außer es sind Gefühle im Spiel, dann muss man darüber reden. Ansonsten will man nur sein eigenes Gewissen erleichtern und bürdet mit seinem Geständnis dem Partner noch mehr auf.

Inwiefern?
Balldini: Weil er sich dann entscheiden muss, zwischen bleiben oder gehen. Verzeihen oder nicht, und das sind enorm schwere Dinge, die man nicht von heute auf morgen entscheiden kann. Sich vor dem Einschlafen zu versöhnen, wird da wohl schwierig? Balldini: Nicht mit Groll ins Bett zu gehen, ist schon ein wichtiger Punkt für eine funktionierende Beziehung. Aber man kann das auch damit lösen, indem man sich sagt, für heute ist erst einmal Schluss mit dem Thema. Wir reden morgen weiter. Nach dem Motto ein schöner Rücken kann auch entzücken. Balldini: Nein. Liebes- oder Sexentzug oder noch schlimmer Rache sind der falsche Weg. Aber man muss ja nicht immer im selben Bett schlafen. Getrennte Betten sind manchmal sogar hilfreich. Wie ist das zu verstehen? Balldini: Das Zusammenleben tötet die Erotik. Abstand schafft dagegen Nähe, auch wenn das paradox klingt.

Gibt es ein Patentrezept für glückliche Beziehungen?
Balldini: Ich sollte mir immer bewusst sein, dass mein Partner freiwillig mit mir zusammen ist. Zu glauben, dass er für mein Glück verantwortlich ist, ist ein Fehler. In der Liebe geht es nicht um das, was ich bekomme, sondern um das, was ich geben kann.