"Rundschau Oberländer Wochenzeitung"

Rundschau: Ihre Telefonnummer enthält auffällig oft die Ziffer "6", Ihr Nachname klingt wie der einer Zauberkünstlerin und sie selbst bezeichnen sich als "Sexpertin" - nicht gerade wenige "Zufälle"? - Was macht Sie zu "Sexpertin"?
Balldini: *Lach*. Das mit den vielen 6ern in meiner Telefonnummer habe ich meiner Sekretärin zu verdanken, die loszog, um mir ein Geschäftshandy zu organisieren und meinte, eine Fachfrau für Sex braucht eine Nummer mit vielen 6ern. Tja, damit muss ich jetzt leben ;o)) Wie mein Name Balldini entstand ist eine lange Geschichte. Ursprünglich hieß ich Ballweber. Als ich jedoch meine Mutter mit 27 Jahren kennen lernte (ich bin im Kloster aufgewachsen) wollte ich meinen Namen ändern. Da meine Großmutter väterlicherseits "Dini" hieß, und ich ihr viel zu verdanken habe - die Einführung in die klassische Literatur, Opern- und Theaterbesuche, gute Tischmanieren und Stil - wollte ich ihr zu Ehren ihren Namen. Das ging aus erbschaftstechnischen Gründen nicht, daher habe ich den "Ball" behalten und die "Dini" angehängt. Bin aufs Wiener Rathaus (habe damals in Wien gelebt) und eine Namensänderung beantragt, Seit 14 Jahren heiße ich also Barbara Balldini und bin sehr glücklich damit. Habe übrigens auch eine Zirkuskarriere hinter mir. War Elefantenpflegerin , als ich jung war. Was mich zur Sexpertin macht? In erster Linie Betroffenenkompetenz. Ich persönlich beschäftige mich mit dem Thema Sex seit ich Lusthormone produziere ;o) Gerne hinterfrage ich die Dinge und bin sehr daran interessiert, dass Sex lebendig bleibt und sich ent-wickelt. Zum Anderen habe ich eine 3jährige Ausbildung zur Dipl.Sexualpädagogin in Wien im Institut für Ganzheitsmedizin bei Dr.Dr. Rotraud Perner absolviert. Das Diplom hängt in meiner Praxis.

Rundschau: Humor und Sexualität, wie passt das zusammen, wenn Liebe kein Spiel ist?
Balldini: Wer sagt, dass Liebe kein Spiel ist? Und Humor und Sexualität gehören unbedingt zusammen. Im Bett sollte man unbedingt fröhlich sein und Spaß haben, viel miteinander lachen und Blödsinn machen. Tierisch ernster Sex klingt nicht sehr entspannt. Oder? ;o))

Rundschau: Braucht es auch heute noch "Tabu-Brecher", oder ist das Tiroler Sexleben (noch immer) verklemmt?
Balldini: Ich denke nicht, dass das Tiroler Sexleben (immer noch) verklemmt ist. Viele Menschen, egal wo sie leben, trauen sich nach wie vor nicht, Ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und immer noch sind viele getrimmt auf Scham und Schande. Aber das ist im Burgenland genauso wie in Vorarlberg oder anderswo.

Rundschau: "Sex an the City" bezog seinen Reiz daraus, vermeintliche Tabuthemen direkt anzusprechen. Offensichtlich kommt das so gut bei den Leuten an, dass man sogar ein Kabarett-Programm daraus machen kann?
Balldini: Mein Programm ist mir "passiert". Nach 7 Jahren Beratungspraxis wollte ich einen ordentlichen Vortrag halten, weil es nach wie vor unzählige Tabus gibt, trotz Aufklärung und vermeintlicher sexueller Revolution. Das mit dem Vortrag ist mir nicht gelungen. Schon beim 3ten mal plakatieren, haben die Leute gesagt: "ich hab schon gehört vom Kabarett". Das hat mich sehr verwundert. Und im Laufe der Zeit habe mich auch immer mehr getraut, die Dinge beim Namen zu nennen, aber so, dass es niemals lächerlich wird oder sich jemand angegriffen fühlt. Das ist mir sehr wichtig. Es gibt - trotz allen Ernstes - viel zu lachen. Mein Programm, würde ich sagen, ist äußerst humorvoll und gleichzeitig ernst. Wer genau zuhört, kann sehr davon profitieren, für sich und seine Partnerschaft.

Rundschau: Wie definieren Sie guten Sex?
Balldini: Guter Sex braucht Mut. Das ist das eine. Und "guter Sex" ist so individuell, wie es Menschen gibt. Wichtig ist, dass wir ehrlich sind mit uns selbst und unserem Gegenüber. Dass wir die Dinge ansprechen, liebevoll und wertschätzend, dass wir gewillt sind zu experimentieren und auch mal an die Grenzen gehen. Denn nur dort können wir uns erfahren. Erfahrungen spielen sich außerhalb der Komfortzone und des Vertrauten ab. Das heißt, dass wir uns sexuell auch entwickeln und war vor 10 Jahren Tabu war, kann man ruhig auch mal ausprobieren, z.B. Sexspielzeug. Guter Sex ist eine Frage der Reife, wie sehr wir gewillt sind, auf den anderen einzugehen. Guter Sex gelingt nur mit einem "Du", dem wir vertrauen können, bei dem wir uns fallen lassen können und wo es keine Scham mehr gibt. Rundschau: Es ist Frühling - warum ist das die Jahreszeit der "neuen Liebe"? Balldini: Weil wir im Frühling Lust auf Erneuerung haben. Weil wir durch die vermehrte Sonneneinstrahlung mehr Glückshormone produzieren und weil wir endlich wieder mehr Haut sehen auf der Straße und uns das anturnt. Und weil wir große Lust auf Schmetterlinge im Bauch haben. Beim Verliebt sein produzieren wir einen Chemiecocktail im Körper, der süchtig macht.

Rundschau: Was tun gegen den Lust-Verlust? Wie kommt das Prickeln (wieder) in die Beziehung?
Balldini: Lustverlust ist ein natürliches Phänomen. Nach 2 Jahren lässt die sexuelle Anziehungskraft nach. Viele sind enttäuscht, weil es nicht mehr so ist wie am Anfang. Dabei fängt gerade jetzt die Zeit an, in der wir uns vermehr und bewusster um die Sexualität kümmern sollten. Lustverlust hängt auch mit Stress zusammen und Überforderung - also: Zeit zur Entspannung einplanen. Sport betreiben. Beim Sport werden haargenau dieselben Hormone produziert wie bei gutem Sex. Und ein Körper, der sich bewegt und fit fühlt, hat auch mehr Lust auf Sex. "Liebespaarzeiten" in den Kalender eintragen. Also Zeiten, in denen man als Paar Zeit verbringt, die sich gut anfühlen. Mit-einander sein. Gemeinsame Aktivitäten planen. Weiters: niemals aufhören, den anderen zu schätzen und das auch kommunizieren. Sich bedanken für Kleinigkeiten. Viele Menschen vergessen, dass ihr Partner freiwillig mit ihnen zusammen ist. Es ist nicht selbstverständlich, jemanden an der Seite zu haben. Und wenn wir auf die Lust warten, warten wir oft ewig. Also: einfach anfangen: die Lust entsteht beim Sex, nicht davor. Ansonsten: reden, reden, reden und ehrlich sein. Vielleicht auch mal ein Tantra-Seminar besuchen oder miteinander einen Tanzkurs besuchen. Das bringt näher und macht Lust auf Sex.

Rundschau: Welche Themen empfinden Frauen, welche Männer, als "Sex-Tabu"?
Balldini: (wow, Tom, eine sehr mutige Frage…überleg dir gut, ob du meine Antworten auch willst..smile) Für Heteromänner ist die Vorstellung, wie es Homosexuelle treiben, nach wie vor ein absolutes Tabu. Und viele Männer können sich nicht vorstellen, dass ihre hinteren Regionen auch lustvoll stimuliert werden können, aus Angst, dann als "schwul" zu gelten. Dabei ist der G-Punkt des Mannes die Prostata. Tabus bei Frauen - Liebessaft im Gesicht, auch wenn das in Pornos ständig vorgeführt wird. Keine Frau möchte das. Und wenn, stimmt was mit ihrem Selbstwert nicht. Tabu für beide: sich die Eltern beim Sex vorzustellen ;o) geht gar nicht.

Rundschau: Muss man(n)/Frau sich fürchten, in Ihren Vortrag zu gehen?
Balldini: Ich weiß nicht ;o) Ich denke mal, es ist sehr informativ, sehr fröhlich, niemals ordinär oder übergriffig. Und viele wünschten sich mein Progamm deftiger. Aber sowohl junge, wie ältere versichern mir, dass es ihnen unheimlich gut gefallen und vor allem "gut getan" hat.